Posaunen und Trompeten: Er lebt für Blasmusik

Luciano Bizzozero (23) ist seit Anfang Jahr der neue Dirigent der Harmonie Wettingen Kloster.

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Luciano Bizzozero liebt Musik: Da hält ihn auch der WK nicht von den Proben mit dem Blasmusikverein ab. ©Barbara Scherer

Trompeten- und Posaunentöne mischen sich durcheinander, darüber legt sich der helle Klang einer Querflöte. Im Hintergrund trommelt das Schlagzeug im Takt. Luciano Bizzozero stellt sich vor das Orchester. Plötzlich wird es ruhig in der Aula der heilpädagogischen Schule.

Der 23-Jährige blickt an sich herunter: Er trägt noch die Ausgangsuniform des Militärs. «Wie ihr seht, ist der Krieg noch nicht vorbei», sagt Bizzozero und schmunzelt. Gelächter. Trotz Wiederholungskurs (WK) lässt sich der junge Dirigent keine der Proben mit der Harmonie Wettingen Kloster entgehen.

Mit einer Handbewegung gibt der Dietiker das Signal, die Bläser erklingen. Zur Aufwärmung wird die Tonleiter gespielt.

Studieren und nebenbei dirigieren

Erst vor etwas mehr als einem Monat hat Luciano Bizzozero die Leitung des Blasmusikvereins übernommen. Dabei steckt er noch mitten im Studium für Blasmusikdirektion in Luzern. Ab dem zweiten Jahr werde Praxiserfahrung verlangt. Über eine Onlineausschreibung ist Bizzozero auf die Harmonie Wettingen Kloster gestossen.

Den Aargauer Blasmusikverein kannte er zuvor nicht. «Ich war lange in der Jugendmusik Dietikon und für kurze Zeit in Spreitenbach aktiv», sagt Bizzozero. Er stützt den Kopf nachdenklich in die Hand. In dieser Zeit habe er seine Leidenschaft für das Dirigieren entdeckt: «Ich hatte einen wahnsinnig tollen Dirigenten in Dietikon, das hat mich inspiriert.»

Ursprünglich wollte Luciano Bizzozero Trompete studieren. Denn seine Leidenschaft für Musik entwickelte der junge Dirigent bereits in den Kinderschuhen. «Es gibt Aufnahmen von mir als kleiner Knirps an einem Platzkonzert: Damals habe ich schon mit einer Fahne in der Hand mitdirigiert.» Bizzozero beginnt zu lachen.

Musik hat er im Blut

Woher diese Faszination für Musik gekommen ist, weiss er aber bis heute nicht. In der Familie sei niemand ausserordentlich virtuos gewesen.

Trotzdem wurde seine musikalische Ader gefördert: Blockflöte, Trommeln und schliesslich Trompete lernte Bizzozero. Dabei sei die Trompete anfangs gar nicht sein Favorit gewesen.

Die Posaune hat es Luciano Bizzozero bereits als Kind angetan. «Doch meine Eltern meinten, ich hätte zu kurze Arme.» Bizzozero hält inne und schmunzelt: «Ich glaube, es lag nur daran, dass sie mir nicht gleich ein 8000-Franken-Instrument kaufen wollten.»

Von da an begleiteten die Instrumente Bizzozero: Zur Trompete kam das Schlagzeug, dann das Klavier und während dem Armeedienst in der Militärmusik schliesslich die langersehnte Posaune.

Sein Alter stört nicht

Dass Bizzozero so Jung ist, scheint niemanden im Wettinger Verein zu stören. Sogar ein alter Freund aus der Jugendmusik hat für den jungen Dirigenten in den Verein gewechselt: Stephan Kundet. Für ihn ist es nichts Neues, wenn Bizzozero den Dirigierstock schwingt.

«Luciano hat schon früher, wenn der Dirigent ausgefallen ist, übernommen» erklärt Kundet. Doch einen Erwachsenenverein zu leiten, ist trotzdem eine völlig neue Erfahrung für Bizzozero. «Ich muss mir immer überlegen, wie ich die Proben neu gestalten soll.» Aber er geniesse die Arbeit. Denn im Vordergrund steht für den jungen Dirigenten die Freude an der Musik.

So kann sich Luciano Bizzozero auch gut vorstellen, nach dem Studium weiterhin Laienorchester zu dirigieren. «Da geht es mehr um die Freude als darum, von einem Wettbewerb zum anderen zu rennen, das gefällt mir.»

Kinder müssen Weg in Vereine finden

Doch haben Blasmusikorchester auch in der Zukunft eine Chance? «Es gibt genug Kinder, die ein Blasinstrument lernen.» Das Problem sei, dass diese oft den Weg in einen Verein nicht finden.

«Ich würde mich gerne mehr dafür einsetzen, dass auch junge Spieler Vereinen beitreten.» Wichtig sei dabei, in Kontakt mit den Schulen zu bleiben. «Doch momentan hat mein Studium noch Vorrang.» Bizzozero hebt den Dirigierstock hoch. Dann zieht er ihn schwungvoll durch die Luft: Es erklingen die Trompeten.